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Kult-Blog

05.10.: Muss Jazz immer vor 20 Zuschauern stattfinden?

Jazzsession Haus Eifgen

Liebe Vereinsmitglieder, Genossen oder Kulturinteressierte,

Das ist Renaud Garcia-Fons. Ein Weltstar im Bereich zwischen Jazz, Weltmusik und enormer Technik. Als Bassist also etwa der Sting des Jazz.

Diesen Künstler hat man uns für ein Konzert angeboten, am 19.09.2020, ein Samstag. Wir sind begeistert, aber auch gleichzeitig nicht. Der Mann ist nicht so teuer wie der Pop-Sting, aber auch seine Zeit ist begrenzt und die Gage entsprechend.

Risiko? So halten wir es klein:
Wir haben daher den Termin erst einmal vorreserviert, sprechen aber in einem halben jahr nochmal mit dem Künstler, ob wir ihm seine Mindestgage bieten können. Wenn wir das dann nicht können und er einen besseren Auftritt angeboten bekommt, ist er dort und wir sitzen traurig im leeren Saal. Diese Künstler füllen mit ihren Konzerten weit grössere Theater als unser Haus Eifgen. Und selbst wenn sie uns entgegenkommen, müssen sie davon leben, ihre Reisespesen, Helferlein und die Krankenversicherung und in diesem Falle noch einen unglaublich teuren Bass unterhalten. Wir müssten unser kleines Haus also vollkriegen.

Gleichzeitig ist das aber auch ein Riesenvorteil: Wir haben 150 Stühle und eine Kirchenbank, mehr gehen nicht rein. Im Vergleich zu den üblichen Konzerten ist man daher unglaublich nah dran, in der ersten Reihe sollte man sogar Haarnetz tragen, um nicht versehentlich in den Bogen zu geraten. Und so schön die Platten, Hifi-CDs und High definition streams auch sind, nichts ist authentischer, schöner und berührender als vor Ort handgemachte Musik. Wir haben 150 Mitglieder im Verein, die ja dadurch schon kundtun, daß sie Musik lieben. Dazu eine Menge Leute, die die Genossenschaft mit barem Geld unterstützen und dadurch das selbe kundtun.

Kauf Dir einen Künstler
Wenn sich da schon einmal hundert Personen fänden, die eine Karte haben möchten für dieses einmalige Erlebnis, könnten wir dem Künstler ohne Angst vor einem Desaster die Gage garantieren, die er sicherlich wert ist. Die Karten würden etwa um 20€ kosten. Dafür gibt es eine Garantie, auch Karten zu bekommen, wenn der echte Vorverkauf startet.

Ein weiterer Punkt, für den es sich lohnt, in Verein oder Genossenschaft aktiv zu sein.
Der Saal ist klein und als Vereinsmüller/ Genosse hat man einfach den besseren Zugriff. Auf das Ausverkauft-Schild glotzen können andere :-) Noch dazu ist es unglaubliche Werbung sowohl in der Jazz-Szene als auch unter den Künstlern, was sich auf die Auftrittsangebote direkt auswirkt. Das Programm wird dadurch in Zukunft noch breiter und hochklassiger, als es eh schon ist, und das alles hier direkt vor der Tür.

Wenn Ihr also Jazz- oder Musikfan seid und am 19.09.2020 noch nichts vorhaben und euch zwanzig Euro (circa) leisten können, wäre es schön, wenn Ihr das in einer kurzen Email an langenkamp at kultin-wk.de bestätigen könnt. Bei genug Interesse (wir verlassen uns natürlich auf die Zusage...) können wir dem Mann freudig zusagen und Wermelskirchen ist eine Sensation reicher.

Danke für Eure Geduld
Kai

22.09.: Konzert ohne....

Das Haus Eifgen hat einen schönen lokalen Ruf als Jazz-und Bluesclub. Mit jährlich um die hundert Konzerten machen wir anständig Programm. Das ist toll, ist aber auch für die Beteiligten viel Arbeit. Man muss Künstler akquirieren, verhandeln, Werbung machen, Essen und Unterkunft arrangieren, die Künstler empfangen, helfen wo Not ist, Sound und Licht einstellen, die Gema-Listen eintreiben, nach dem Konzert alles wegräumen, durchkehren, todmüde heimgehen. Und hat meist von allen am wenigsten mitbekommen. Damit diese Arbeit nicht an einigen wenigen hängen bleibt und die dadurch zermürbt, gibt es jetzt im Eifgen Nachwuchs-Konzerte. Das bezieht sich in diesem Falle nicht auf die Künstler, sondern auf Leute wie mich, die dort im kleinen Rahmen lernen können, Konzerte über die Bühne zu bringen. Ich kann euch sagen, das ist aufregend. Aber wenn wir die Michaels (und all die anderen, die jetzt auch mal Michael heissen sollen) einmal entlasten wollen, müssen wir geübt sein und nirgends lernt man besser als in der kleinen Praxis. Das gelingt mit der Hilfe netter Menschen, die einspringen, kochen, denTon bedienen, die Theke managen, die Toiletten putzen oder auch einfach nur vorbeikommen und Ruhe ausstrahlen. Und Musikern, die zeitig da sind, nett und unkompliziert sind, superschnell aufbauen und das Crewessen goutieren. So war das Sonntag. Ein junger Songwriter (Liedermacher ohne Strickjacke), der auf dem Weg von Leichlingen nach Hause bei uns anhält. In 15 Minuten seine Technik am laufen hat, eine ausgefüllte Gemaliste mitbringt (die er nicht brauchte, dazu mehr später) und lachend drüber wegsieht, dass wir ihn statt Philipp David genannt haben in der Promo. Er will eh einen Künstlernamen, sagt er.... Nach dem Essen ist alles bereit, der Starttermin naht, nur kein Publikum. Niemand. Nada. Philipp Hemmelmann ist aber nicht beleidigt, sondern trinkt ein Fläschchen mit uns. Bis tatsächlich um 19.15 ein Gast kommt. Danke Maureen. Grinsend geht es auf die Bühne, es gibt eigene Lieder mit Looper und Gitarre und Herzblut, bis sogar ein zweiter Gast angelockt wird (Danke Jimmy). Dann gibt es ein kleines Programm, ein paar CDs wechseln den Besitzer, die Garantiezahlung wird lachend abgelehnt und ein Termin demnächst mit Publikum vereinbart. So macht Kleinkunst Spaß. Herzlichen Dank Lisa, Adrian, Michael, Hans, Diana (und Maureen und Jimmy und Bernd fürs reinschauen ) und der Kulturinitiative für ihr Vertrauen. Und Philipp Hemmelmann für den Spaß. Er spielt demnächst zu Hause in Mülheim, seht ihn euch da an. Oder kommt vorbei, wenn er mal wieder im Eifgen ist, es lohnt sich. youtu.be/Qj5KwC1qGAc Und ich bin gespannt, was noch kommt. Wir hatten schon Konzert ohne Licht, ohne Band und ohne Publikum... Am 6. Oktober kommt der großartige Jakob Heymann und macht mit Gitarre, Looper und unserem Flügel grosses Kino. Dann mit kleinem Eintritt, aber ist es so wert. Wir freuen uns auf euren Besuch. Kai